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Oktober 2011 • Sonderberichte
Boll und Baum auf Europas Gipfel
Tischtennis-Profi Patrick Baum aus Flörsheim-Dalsheim holt Silber bei der EM in Danzig (Polen) / Gold für deutsches Team

Bild: Aus Patrick Baum ist ein in der Tischtennis-Welt angesehener Weltklassesportler geworden. Bei den Europameisterschaften 2011 in Danzig (Polen) schnappte sich Patrick Baum erst Gold mit dem Team und später im Einzel noch Silber dazu.
Einmal im Leben eine fantastische sportliche Leistung zu zeigen, ist wohl der Wunsch eines jeden jungen Buben, wenn er die großen Idole des eigenen Sports in gleich welcher Sportart auch immer im Fernsehen bei Weltmeisterschaften, bei Europameisterschaften oder bei der Olympiade erlebt. Patrick Baum aus dem kleinen rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim hat sich diesen Wunschtraum schon sehr früh erfüllt. 2005 wurde er mit 18 Jahren Tischtennis-Weltmeister der Junioren durch einen Sieg über den Japaner Jun Mizutani. Fünf Jahre später schaffte der damals 23-jährige junge Mann den großen Durchbruch bei „den Großen“. Im tschechischen Ostrava holte Patrick Baum die Silber-Medaille bei der EM der Herren. Eine sensationelle Leistung. Etwas, was manch einer dem jungen Wormser wohl kaum zugetraut hätte.
Ja, einmal im Leben so etwas zu schaffen, ist großartig. Es aber zu bestätigen – das ist ganz außergewöhnlich. Am Wochenende gelang „Patti“ genau das – im polnischen Danzig. Wieder hieß der Finalgegner Timo Boll. Der deutsche Tischtennis-Weltstar, mit dem Patti beim mit Abstand besten europäischen Klub, nämlich Borussia Düsseldorf, gemeinsam in einem Team spielt, hatte auch 2011 wieder die Nase vorne. 4:1 Sätze lautet das nackte Ergebnis. Doch Timo Boll meint: „Ich musste absolute Weltklassebälle spielen, um gegen Patti zu bestehen.“ Der sechs Jahre jüngere Linkshänder ist dem uneingeschränkten „Dominator von Tischtennis-Europa“ mächtig auf die Pelle gerückt. Das Duell der aktuellen Nummer vier der Welt mit der Nummer 23 zeigte vor allem eines: Da stehen sich zwei Weltklassesportler beinahe auf Augenhöhe gegenüber.
Apropos Weltklasse: Was Patti im Halbfinale beim 4:0-Sieg über den Serben Aleksandar Karakasevic und speziell zuvor im Viertelfinale beim 4:1-Erfolg gegen den an Position zwei gesetzten Weißrussen Vladimir Samsonov zeigte, kann einfach nur in die höchste Kategorie sportlicher Leistung einsortiert werden. Zwei Szenen des Viertelfinales dokumentierten den Reifeprozess von Patrick Baum eindrucksvoll. Da war eine eingesprungene Rückhand von Patti dabei, die selbst den sonst eher kühl und überlegt agierenden „Vladi“ zu einem fassungslosen Kopfschütteln veranlasste. Und dann jener Moment, als Patrick den Matchball zum 11:8 im fünften Durchgang verwandelte. Beim Handshake kann sich Patti ein Lächeln nicht verkneifen.
Der Wormser, der in früheren Jahren häufig lange brauchte, um die Anspannung so einer Partie abzuschütteln, wirkt von Beginn an tiefenentspannt, auf das Wesentliche fokussiert, hadert nicht, strahlt Selbstbewusstsein aus. Ein Selbstbewusstsein, welches er sicher auch aus seiner perfekten athletischen Konstitution herauszieht. Oder wie formulierte es der Reporter der Live-Berichterstattung der österreichischen Internet-Plattform „LAOLA1.TV“: „Patti hat dieser Tage die schnellsten Beine im Tischtennis. Und Patti hat neben der Silber-Medaille auch eine Gold-Medaille der EM-Tage von Danzig um den Hals hängen. Mit Timo Boll, Dimitri Ovtcharov und Bastian Steger holte er beim 3:0-Finalsieg über Schweden ganz souverän den fünften Titel in Serie ins Land „der Tischtennis-Chinesen von Europa“ – nach Deutschland oder spezieller gesagt ins rheinhessische Flörsheim-Dalsheim bei Worms.
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Juni 2011 • Sonderberichte
Der Mann mit den vielen Zetteln ist gegangen
Bruno Piehl stirbt im Alter von 71 Jahren / Die deutsche Tischtennis-Gemeinde trauert um eine schillernde Persönlichkeit

Bild: Bruno Piehl, wie ihn die meisten Menschen kennen und schätzen lernten. Wer viel arbeitet, darf auch viel feiern – beispielsweise zur Fastnacht 2005 mit seiner lieben und fürsorglichen Ehegattin Heidi.
„Ein Optimist ist ein Mensch, der alles halb so schlimm oder doppelt so gut findet.“ (Heinz Rühmann) Ob Bruno Piehl die Worte des bekannten deutschen Schauspielers kannte, ist nicht verbürgt. Was verbürgt ist, ist die Tatsache, dass der im Wartheland (Deutsche Provinz um Posen) geborene Wahl-Ibersheimer und spätere Wahl-Wormser diese Worte gelebt hat. „Ja“, bestätigt Harry Piehl, der älteste Sohn des am Pfingstmontag nach langer und schwerer Krankheit verstorbenen Mannes, der 71 Jahre alt wurde, „mein Vater war durch nichts und niemanden unterzukriegen.“
Die meisten Menschen verwenden mehr Zeit und Kraft daran, um die Probleme herumzureden, als sie anzupacken. Nicht so Bruno Piehl. Das Leben des Mannes, der ein liebevoller Ehemann seiner gutherzigen Ehegattin Heidi, Vater der vier Söhne Harry, Carsten, Jochen und Thorsten, Schwiegervater und Opa war, wurde vor allem durch eines geprägt: eine stete innere Unruhe, welche ihn in allen Lebenslagen voran trieb, etwas zu bewegen. Der schwierigen Zeit als Kriegskind an der Seite seiner allesamt noch lebenden fünf Brüder Artur, Edmund, Eugen, Herbert und Ernst folgten einige Jahre als Zeitsoldat, ehe Bruno Piehl eine Lehre als Technischer Zeichner abschloss. Seine wahre Profession fand er aber nicht im erlernten Beruf, sondern im Sport.
1974 gründete Bruno Piehl das Sportgeschäft „Sport Piehl“ mit Sitz in Ibersheim und später in Pfeddersheim. Fortan war Bruno Piehl in Sachen Tischtennis nicht mehr zu bremsen. Fast jedes Wochenende war er irgendwo in Deutschland bei Tischtennis-Turnieren unterwegs. „Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint“, sagte Albert Einstein einmal. Bruno Piehl verinnerlichte diesen Gedanken. Tischtennis-Turnier um Tischtennis-Turnier organisierte das Multitalent fortan. Doch damit nicht genug: Bruno Piehls Herz bestand nicht aus Zelluloid allein. Sportkegeln, Fußball – speziell bei seinen Lieblingsvereinen Wormatia Worms, Bayern München und dem 1. FC Kaiserslautern, die Fastnacht, der Gesang und jede Art von Unterhaltung hatte das Energiebündel Tag für Tag im Sinn.
Typisch für Bruno Piehl wird seine Begrüßungsformel am Telefon seines Sportgeschäftes in Erinnerung bleiben. „Bruno Piehl – Deutschland“, schallte es durch die Telefonmuschel. Es war keine nur mal so dahin gesagte Floskel. Ganz im Gegenteil, es stimmte. Oder wie es Bruno Piehl formulierte: „Von der Weser bis zum Nil – überall kennt man den Bruno Piehl.“ Als dann nach über zwei Jahrzehnten aufopferungsvoller Arbeit in seinem Geschäft und um den Tischtennis-Sport in der Wormser Region immer mehr Technik in die Arbeitswelt drängte, blieb Bruno Piehl dennoch seiner Linie treu. „Mir kommt kein Computer ins Haus“, wetterte er. Auf Zetteln – überall im Geschäft verteilt – hatte Bruno sein privates, geschäftliches und sportliches Leben bestens im Griff.
So viel steht fest: Mit Bruno Piehl ist eine schillernde Persönlichkeit des Tischtennissports von uns gegangen, die sicherlich wegen ihrer extrovertierten Art auch manchen Kritiker auf den Plan rief. Egal, ob man nun aber Bruno Piehls familiäres Umfeld, seine sportlichen Aktivitäten, die vielen Shows und Events, welche er organisierte, seine politische Arbeit in der Kommunalpolitik oder die unzähligen Turniere im Rückblick auf den Menschen Bruno Piehl betrachtet, bleibt als Quintessenz eines bewegten Lebens festzuhalten: Da hat uns ein herzensguter Mensch verlassen.
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Juni 2011 • Sonderberichte
Alter Chef ist neuer Chef
Peter Dietrich führt den TV 1863 Leiselheim ins Jubiläumsjahr 2013

Bild: Hält die Fäden am Leiselheimer Trappenberg für weitere zwei Jahre in der Hand: Peter Dietrich, Tischtennis-Abteilungsleiter des TV 1863 Leiselheim.
Ideen klopfen an viele Türen. Man muss sie aber auch manchmal herein bitten. Nun gehört Peter Dietrich wahrlich nicht zu jenem Schlag Menschen, die sich Veränderungen kategorisch widersetzen. Ganz im Gegenteil. „Wir haben das die letzten Jahre ganz ordentlich gemacht“, blickte der 49-jährige Pfeddersheimer kürzlich anlässlich der Abteilungsversammlung des weit über ein Jahrzehnt hinaus erfolgreichsten Tischtennis-Vereins der Region durchaus zufrieden auf seine erste Amtszeit als Tischtennis-Abteilungsleiter des TV 1863 Leiselheim zurück. „Und gerade deshalb wollen wir künftig einiges verändern und womöglich sogar noch verbessern.“
Klar, man habe beim TV Leiselheim zuletzt ob der gravierenden strukturellen Änderungen (Stichwort: Halbierung der Anzahl der Regionalligen) in den höheren deutschen Tischtennis-Spielklassen auch vermehrt Niederlagen und einige sportliche Abstiege hinnehmen müssen. Gleichwohl sei die Infrastruktur und Zukunftsperspektive beim TVL besser denn je. Die Gründe dafür liegen laut Peter Dietrich auf der Hand: „Unsere prima Jugendarbeit der vergangenen Jahre versetzt uns künftig in eine tolle Ausgangsposition.“ Sprich: Mit Raphael Graf (21), Stephan Kaiser (20), Janis Oberle (18), Sebastian Denschlag (23), Peter Antony (22), Dietrich Köpp (18), Bastian Ehses (20), Thomas Peter (20) oder Martin Kohnert (20) hat der TVL spielstarke junge Aktive in seinen Reihen. Dazu kommt die „nächste Generation“ mit Matthias Hollik (17), Florian Manochehri (17), Simon Ufermann (17), Tobias Fischer (15) und Jonathan Ilchev (13).
„Da geht in den nächsten Jahren etwas“, meint Peter Dietrich denn auch. Zumal mit Edwin Pleyer aus dem hessischen Groß-Rohrheim ein sehr versierter Tischtennis-Trainer verpflichtet werden konnte. Kein Wunder also, dass der Chef bei der Wahl einstimmig das Votum der Mitglieder für eine weitere zweijährige Amtszeit erhielt. Und was Peter Dietrich ganz besonders erfreute, war der Umstand, dass er künftig mit Hans-Jürgen Hemer einen Stellvertreter an seiner Seite weiß, der beim TVL schon viele Jahre – nicht nur als Spieler – sehr engagiert zu Werke geht. „Wir sind gut aufgestellt“, konstatiert Dietrich. „Das Jubiläumsjahr kann kommen!“
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September 2010 • Sonderberichte
„Wir sind sehr stolz auf Patti!“
Tischtennisspieler des TV Leiselheim fieberten im Internet während der EM live mit ihrem Vereinsmitglied Patrick Baum

Bild: Meister der Zelluloidkugeln: TVL-Vereinsmitglied Patrick Baum feierte bei der Tischtennis-EM 2010 im tschechischen Ostrava vergangene Woche sagenhafte Erfolge.
Er ist Tischtennis-Profi. Er ist Deutscher Nationalspieler. Er ist Jugend-Weltmeister von 2005. Er ist dreifacher Europameister mit dem DTTB-Team. Seit Sonntag ist er amtierender Vize-Europameister. Er ist einer der besten Tischtennisspieler der Welt. Und er ist auch ein Leiselheimer. Sehr häufig trainiert Patrick Baum nur wenige Meter von dort, wo das Elternhaus seiner Mutter Gabi und seines Vaters Arthur in Leiselheim zu finden ist. Als Tischtennis-Profi ist der 23-Jährige natürlich überall in der Welt unterwegs, aber wenn er dann die Eltern, die heute in Flörsheim-Dalsheim leben, besucht, dauert es nicht lange, bis es Patti an den Leiselheimer Trappenberg zieht.
„Ein Profi befindet sich eigentlich immer im Training“, sagt Patti lächelnd. Sein älterer Bruder nickt zustimmend: „Klar, das stimmt!“ Björn Baum, der lange Zeit die Nummer eins des TV Leiselheim war, und der jetzt Zweite Liga in Weinheim spielt, ist der Sparringspartner des deutschen Tischtennis-Asses. Manchmal hat Patti auch seinen besten Freund Dimitrij Ovtcharov, die Nummer 13 der Weltrangliste, im Schlepptau. Wie kürzlich nach dem gemeinsam verbrachten Urlaub der beiden Tischtennis-Profis. „Ich kam eher zufällig morgens an den Trappenberg“, schildert Leiselheims Tischtennis-Chef Peter Dietrich. „Patti und Dima haben in unserer Halle trainiert.“ Peter Dietrich guckte dann ab und an ehrfürchtig durch die Glasscheiben der alten Schwingtür am Eingang rein in die Halle. „Das war ein tolles Bild. Mir hat es vor Freude über diese Szene eine Gänsehaut den Rücken hinab bereitet“, erinnert sich Dietrich.
Patrick Baum ist seit vielen Jahren Mitglied des TV Leiselheim. Er besitzt einen Schlüssel für „eine der schönsten Tischtennis-Sporthallen der Welt“, wie der Neu-Düsseldorfer bekundet. Und den nutzt er fleißig. So kam denn auch TVL-Haudegen Jürgen Hemer einmal in den Genuss, gegen einen der besten Tischtennisspieler der Welt einen Satz zu spielen. „Sieben Punkte hab’ ich gemacht“, lässt Jürgen Hemer stolz wissen. Patti tat sich schwer mit dem unorthodoxen Spiel des Leiselheimers. „Und Björn lachte sich ins Fäustchen“, so Hemer. Zahlreiche Daumen der Faust wurden letzte Woche von den Leiselheimer Vereinskollegen während der Internet-Live-Übertragungen auf www.laola1.tv gedrückt. „Viele von uns haben kräftig mit gefiebert“, sagt Peter Dietrich. Am Ende gab’s reichlich Telefonate unter den TVL’lern – und vor allem einen immer wieder gesagten Satz: „Wir sind sehr stolz auf Patti!“
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September 2010 • Sonderberichte
Patrick Baum stürmt Europa
Tischtennis-Profi aus Flörsheim-Dalsheim holt Gold und Silber bei der EM in Ostrava / Tschechien

Bild: Schaffte im tschechischen Ostrava endgültig den Durchbruch in die absolute Weltspitze: Tischtennis-Ass Patrick „Patti“ Baum aus Flörsheim-Dalsheim.
Aus dem zarten Bäumchen ist ein stattlicher Baum geworden. Oder anders ausgedrückt: Patrick Baum aus Flörsheim-Dalsheim ist fünf Jahre nach seinem fantastischen Weltmeister-Titel bei der Jugend zu einem hell leuchtenden Stern am Tischtennis-Himmel über Europa aufgestiegen. Spätestens seit Sonntagmorgen wird mit dem Namen Patrick Baum künftig im internationalen Tischtennissport vor allem eines eng verknüpft sein: der Begriff Weltklasse. Ort „der Supernova“ des Patrick Baum: Ostrava in Tschechien. Anlass: die Europameisterschaft im Tischtennis.
„Ich werde mich nochmal steigern“, versprach Patti, wie der 23-Jährige in der Tischtennisszene nur genannt wird, seinem National-Trainer, der deutschen Tischtennis-Legende Jörg Roßkopf. Der Wormser hatte gerade den Weißrussen Pavel Platonov mit 3:2-Sätzen bezwungen. Mittwoch vor einer Woche war das. Deutschland war damit zum vierten Mal in Folge Europameister geworden. Doch dieser Moment war, obwohl Deutschland seit vielen Jahren das „Non plus ultra“ im europäischen Tischtennis ist, für Patti ein ganz besonderer. „Ich war schon ziemlich nervös, als ich für das Endspiel nominiert wurde.“ Sein bester Freund, der Weltranglisten-Dreizehnte Dimitrij Ovtcharov, hatte sich im Halbfinale gegen Frankreich am Fuß verletzt. Patti durfte ran – und holte den Siegzähler zum 3:0 über die Weißrussen. Europameister!
Aber keine Zeit für Jubel. Der Erfolg mit der Mannschaft schien den Flörsheim-Dalsheimer gleich einem Katalysator für das in ihm steckende riesige Talent zu beflügeln. In den Augen von Patrick Baum erkannte man nun schon bei den ersten Spielen im Einzelwettbewerb das Feuer, den Willen mehr zu erreichen. Erst schlug die Nummer 50 der Weltrangliste den Österreicher Robert Gardos (Weltranglisten-Position 36). Danach war der Russe Alexey Smirnov (Nr. 24 der Welt) an der Reihe. Samstag wartete im Viertelfinale der Weltranglisten-Siebte Vladimir Samsonov. Im Duell mit dem Weißrussen galt Patti als krasser Außenseiter. Doch Patti spielte mit Power und Leidenschaft, riskierte viel, glaubte immer an sich, haderte nie und vor allem: der sonst eher zurückhaltende junge Mann ließ seinen Emotionen freien Lauf. Klare Rückstände in den einzelnen Sätzen wandelte Patrick Baum in Satzgewinne. Am Ende stand ein ob des fantastischen Spiels seines deutschen Kontrahenten völlig verdutzt wirkender „Vladi“ in der Box. 4:3 für Patti – Halbfinale.
Gegner: Werner Schlager aus Österreich, Weltmeister von 2003 und als Nummer 22 der aktuellen Weltrangliste natürlich Favorit. Aber das war Patti egal. „Ich habe hier meine Chance“, wusste der Linkshänder. Es entwickelte sich eine Partie mit sagenhaften Ballwechseln. Schlager spielte auf dem Niveau seiner besten Tage, was ihm eine 3:2-Führung bescherte. Doch Patrick Baum hielt dagegen. Beeindruckend: Rückschläge hauen den Wormser nicht mehr um, wie das manchmal früher der Fall war. 11:1 (!) in Satz sechs. Patti ließ jetzt nicht locker. Der entscheidende Durchgang ging souverän mit 11:5 an den Rheinhessen. Auch im Finale mit dem Vereinskollegen Timo Boll vom deutschen Eliteklub Borussia Düsseldorf hatte der Wormser seine Chancen. Doch war der Weltranglisten-Zweite (noch) eine Nummer zu groß für Patti – 1:4 und Silber.
Die tollen Tage von Ostrava haben gezeigt: Patrick Baum ist in der internationalen Spitze der Herren angekommen. Mehr noch: Aus dem Jugend-Weltmeister von 2005 ist ein charakterlich gereifter Mann gewachsen. Dies wurde auch Samstagabend beim Interview im Aktuellen Sportstudio mit ZDF-Sportreporter Norbert König deutlich. „Ich habe einfach einen kühlen Kopf bewahrt“, antwortete er auf die Frage von König bezüglich seiner gezeigten Nervenstärke im Match mit Samsonov. Kühl, wenn Nervenstärke gefragt ist und emotional, wenn dies hilft, um zur bestmöglichen Leistung zu gelangen – aus Patrick Baum ist ein Sportler mit Weltklasse-Niveau geworden.
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November 2009 • Sonderberichte
Die dunkle Seite der Macht
Brauchen wir im Tischtennis wirklich eine Flut „schwarzer Männer“?

Bild: Muss sich beim rheinhessischen Ranglistenturnier 2009 von den „schwarzen Männern“ des RTTV ziemlich „verarscht“ vorgekommen sein: Leiselheims sympathischer Neuzugang Sven Conrad.
Stuttgart im September 2009. Die Tischtennis-Europameisterschaft geht in der schwäbischen Metropole über die Bühne. Es ist Freitagmorgen, Punkt 11 Uhr. Das Achtelfinale der Damen und Herren im Einzel steht an. Die Filmmusik zu „Fluch der Karibik“ taucht die selbst zu dieser frühen Uhrzeit gut gefüllte Porsche-Arena in eine Stimmung der Vorfreude. Majestäten gleich marschieren zwölf Offizielle in grauen Anzügen mit kleinen weißen Tütchen in ihrer Hand in die Arena mit den vier rechteckigen Spielboxen ein. Der Hallensprecher moderiert sich bei der Vorstellung der zwölf Schiedsrichter einen Wolf ins Mikrofon.
Jeweils einer der drei „stocksteifen Majestäten“ öffnet seinen beiden Kollegen das Türchen zur Spielbox. Dort schreiten Hauptschiedsrichter und Nebenschiedsrichter an die Kopfseite. Man nickt sich gönnerhaft zu, ein Händedruck. „Wirken wir auch offiziell genug?“, suggeriert die Szene. Die Spieler sind inzwischen auch da. Zwei Tischtenniscracks kommen auf drei „graue (schwarze) Männer“. Dann kann’s ja endlich losgehen … Noch nicht! Zuvor kommen die weißen Tütchen ins Spiel. Dort sind die Schläger der eigentlichen Hauptdarsteller drin. Frisch geprüft von den Offiziellen. Ordnung muss schließlich ein. Das Fernsehen ist bei der Posse übrigens live mit dabei.
Belustigend, was für ein Schauspiel die Schiedsrichter im Tischtennissport da abliefern? Nicht wirklich, will ich meinen. Eher beschämend. Ist der Schiedsrichter in unserem Sport wichtiger als der Spieler? Scheinbar. Inzwischen hat sich die Vorfreude bei mir – ich bin einer der zahlreichen Zuschauer – ein klein wenig in Ärger gewandelt. Da gehen sie also hin, die Gelder, welche die Vereine an ihren Verband in reichlicher Menge abführen – für Spesen und Tagessätze der Offiziellen. Dabei könnte man die Moneten im DTTB so gut an anderer Stelle gebrauchen. Unglaublich, oder? Aber doch wahr!
Szenenwechsel. Ranglistenturnier des rheinhessischen Tischtennisverbandes eine Woche später in Gau-Odernheim. Dort „üben“ die Schiedsrichter des kleinsten Landesverbandes für zukünftige höhere Aufgaben. In sechzehn Boxen – jeweils ein „schwarzer Mann“ ist pro Spiel auch dabei – kämpfen die besten Damen und Herren Rheinhessens um die Ranglisten-Position Nummer eins. Raphael Graf vom TV Leiselheim wird’s nachher. Aber das gerät eher zur Nebensache. In der zweiten Vorrundenpartie zwischen Sven Conrad und Steffen Lettau von der TG Wallertheim ereignet sich „das Hauptevent der Veranstaltung“.
Der „Offizielle“ des Matches zwischen dem Neu-Leiselheimer Conrad und Lettau hatte schon vorher verkündet: „Dem Conrad zähl’ ich die falschen Aufschläge ab. Dem zeig’ ich mal, wie wir das hier in Rheinhessen machen.“ Sozusagen als Begrüßungsgeschenk für den jungen Mann, der zur neuen Saison von Oberstein nach Leiselheim wechselte. Beim Spielstand von 3:1-Sätzen für Conrad – das Ende der Partie über vier Gewinnsätze drohte – machte der „schwarze Mann“ seine Ankündigung wahr. Sportsmann Lettau („Was soll das denn“) wollte dies gar nicht. Der Schiedsrichter schon: Ordnung muss schließlich sein. Sven Conrad gab nach einigem Hin und Her auf. Er handelte konsequent nach dem Motto: „Der Gescheitere gibt nach!“ Eine traurige Wahrheit. Sie begründet die Weltherrschaft der Dummheit.
Muss es denn wirklich sein, dass die Schiedsrichter das Wesen des Tischtennissports maßgeblich bestimmen? Ich sage: nein. Bei einer Veranstaltung ähnlich der RTTV-Rangliste würde ein kompetenter Offizieller wie beispielsweise Rolf-Jürgen Feuckert, Sportwart des SWTTV, völlig ausreichen, um für die Einhaltung der Regeln zu sorgen. Die Menge an (teilweise inkompetenten) „schwarzen Männern“ kostet nur unnötiges Spesengeld.
Übrigens: Bei der RTTV-Rangliste 2009 waren noch nicht einmal ein Dutzend Schaulustige anwesend. Wer hätte auch große Lust dazu, den „schwarzen Männern“ bei der Ausübung der dunklen Seite der Macht zuzuschauen? Ich nicht!
(Bericht: Jürgen Jaap)
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Juni 2009 • Sonderberichte
„Baum“-bastisch
Tischtennis-Profi Patrick Baum aus Flörsheim-Dalsheim gewinnt um ein Haar die Japan Open
Weltklasse. Kein anderes Wort beschreibt das besser, was Tischtennis-Profi Patrick „Patti“ Baum bei seinem Asientrip Anfang Juni zunächst nach China und anschließend nach Japan an Spitzenleistungen abgeliefert hat. Wenn der deutsche Herren-Bundestrainer Richard Prause davon redet, dass „Pattis Leistungen herausragend und die Japan Open bislang sein bisher bestes Turnier waren“, wenn Vater und Heimtrainer Arthur Baum „von einem neuen, weil kämpferisch total mitreißenden“ Sohnemann schwärmt, und wenn sogar der sonst eher selbstkritische und mit Eigenlob sparsame Wormser Spitzensportler von einer „engagierten, cleveren und selbstbewussten Vorstellung auf hohem Niveau“ spricht, dann dürfte in der Tat nur ein Begriff die fantastischen Erfolge des Linkshänders passend schildern: Weltklasse!

Bild: Unaufhaltsam auf dem Weg in die Weltklasse: Patrick „Patti“ Baum aus Flörsheim-Dalsheim.
Nur hauchdünn scheiterte Patrick Baum in seinem ersten Pro Tour-Finale überhaupt mit 3:4-Sätzen am Südkoreaner Oh Sang Eun, der Nummer 14 der aktuellen Weltrangliste. „Eine super Partie zweier klasse Spieler auf Augenhöhe“, wie Bundestrainer Prause befand. „Es lag vielleicht an eins oder zwei Bällen – und Patrick hätte gewonnen.“ Egal, denn das dramatische Finale war nicht das einzige „Zuckerl“, welches der 21-jährige Deutsche bei der mit 172 000 Dollar (rund 123 000 Euro) dotierten Veranstaltung – eine der höchstdotierten der Welt – den japanischen Zuschauern in der fast durchweg mit knapp 4000 Tischtennis-Fans ausverkauften Sporthalle in Wakayama bot.
„So macht Tischtennis Spaß“
Schon in der Qualifikation – durch die musste „Patti“ als momentane Nummer 59 der Welt – für das Hauptfeld der 32 Weltklassespieler hatte es der deutsche Nationalspieler mit asiatischen Topleuten (4:3 gegen einen Koreaner und 4:2 gegen einen jungen Japaner) zu tun. In der ersten Hauptrunde dann ein 4:2-Erfolg über Robert Gardos (Weltranglisten-Position 29). Auch ein weiterer Koreaner konnte den Jugend-Weltmeister von 2005 auf dem Weg ins Viertelfinale nicht stoppen. Dort wartete mit Dimitrij Ovtcharov (Weltranglisten-Position 13) ein deutscher Nationalmannschafts-Kollege. „Gegen meinen besten Freund auf der Tischtennis-Tour ist es immer ein besonders schweres Match“, räumte Baum ein. 4:3 für Patti nach 2:3-Satzrückstand. „So macht Tischtennis Spaß“, entfuhr es ihm im Anschluss an die rasante Partie zweier deutscher Tischtennisasse.

Bild: Auch ein Tischtennis-Profi braucht mal ‘ne Pause: Patti in einer (kurzen) Auszeit beim Training am Leiselheimer Trappenberg.
Und das Turnier machte Patrick Baum sogar noch mehr Freude – im Halbfinale. Kein Geringerer als Ex-Weltmeister Werner Schlager aus Österreich hieß der Gegner. Für Patti („Mein bestes Spiel bei den Japan Open“) aber kein Problem. Mit 4:1-Sätzen zwang er die Nummer 15 der Welt in die Knie. Da konnte der Flörsheim-Dalsheimer auch locker die knappe Niederlage gegen den 31-jährigen Routinier Oh Sang Eun im Finale verkraften.
An die dachte Patrick Baum beim 15-stündigen Trip im Flieger der Air China von Osaka über Peking nach Frankfurt schon lange nicht mehr. Vielmehr geisterte der tolle Auftritt bei den China Open gegen Ma Lin durch die Träume des jungen Deutschen über den Wolken. Bloß ganz knapp mit 3:4 unterlag der Wormser dem Weltranglistenvierten. Oder auch die Erinnerung an das Festbankett nach dem Finale in Japan. Karl Jindrak, österreichischer Funktionär des ITTF, hatte Patrick Baum und Werner Schlager zum Essen in ein japanisches Nobel-Steakhaus geladen. Ein speziell nach japanischer Rezeptur zubereitetes Steak für umgerechnet 80 Euro gab’s. „Das ist nur so auf dem Gaumen zergangen“, berichtet Patti. „Göttlich.“ Ähnlich dem, was der deutsche Weltklassespieler im Juni 2009 in Asien an Tischtenniskunst zelebrierte.
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Mai 2009 • Sonderberichte
Osten sticht Westen gnadenlos aus
Hessische Teams schnappen sich sämtliche vier Tickets der Relegation zur eingleisigen Tischtennis-Regionalliga / Sven Conrad wechselt zum TV Leiselheim

Bild: Seine starke Leistung (drei Einzelsiege und zwei Doppelerfolge) half seinem „Noch“-Verein TV Oberstein in den drei deutlich verlorenen Regionalliga-Relegationsspielen nicht viel: Sven Conrad, 20, wird nächste Saison für den Drittligisten TV Leiselheim aufschlagen.
Es war keine wirkliche Überraschung. Dass im Osten der Tischtennis-Regionalliga Südwest ein weitaus „flotterer Ball“ gespielt wird, ist Insidern der schnellsten Rückschlag-Sportart der Welt längst bekannt. Allenfalls die Deutlichkeit, mit der die hessischen Meister der insgesamt vier regionalen Tischtennis-Oberligen bei Damen und Herren den anderen Mannschaften aus dem Saarland, dem Rheinland und aus Rheinhessen letztes Wochenende ihre sportlichen Grenzen aufzeigten, dürfte beim einen oder anderen Tischtennisfreund, der ins BIZ nach Worms zu den Relegationsspielen für die ab der kommenden Saison eingleisige dritthöchste Spielklasse Deutschlands pilgerte, einige Runzeln auf die Stirn getrieben haben.
„Die hessischen Klubs werden wohl das Rennen machen“, hatte Rolf-Jürgen Feuckert prognostiziert. Wie viel Wahrheit in der Vorhersage des Sportwarts des Südwestdeutschen Tischtennis-Verbandes lag, wurde sehr schnell offenbar. Aber nicht allein die sportliche Dominanz der Hessen verblüffte. Scheinbar hat der sachkundige Umgang mit der kleinen Zelluloidkugel im benachbarten Bundesland einen ganz anderen Stellenwert als in unseren Gefilden.
Bestes Beispiel: die Fans des TTC Ober-Erlenbach. Mit Rasseln und Tröten, Pauken und Trompeten kamen bald hundert Zelluloidjünger an beiden Turniertagen in die Nibelungenstadt. Frauen, Männer, Mädels und Buben jeden Alters hatten sich markante rote Trikots übergestreift. „TTC on Tour“ stand drauf. Und die, welche da drinnen steckten, sorgten für einen Höllenspektakel. Stets gut gelaunt – klar, die Überlegenheit ihrer Mannschaft setzte positive Energie frei – unterstützten sie euphorisch und lautstark ihr Team im Favoriten-Duell mit dem hessischen NSC Watzenborn-Steinberg, welches 9:4 gewonnen wurde. Vorbildlich. „Eine bombastische Stimmung“, wie Oberschiedsrichter Klaus Merkert treffend befand.
Und drüben an Tisch drei und vier, wo Bous aus dem Saarland und Oberstein aus dem Rheinland das zweite Match bestritten? Tote Hose! Ab und an mal ein einsamer Klatscher. Das saarländische, rheinländische und – später bei den Damen mit der TSG Heidesheim – auch rheinhessische Pendant zur hessischen Fankultur. Reserviertheit hier – bloß nicht auffallen wollen. Im Hessenduell dagegen ausgelassene Freude.
Nun ja, vielleicht ging auch deshalb die Zelluloidkugel bei den Hessen etwas leichter vom mit Schaumgummi beschichteten Sperrholz-Schläger. Locker ging’s zu bei den Apfelwein-Liebhabern. Das zeigte sich schon weit vor dem ersten Ballwechsel der Relegation, als Dirk Lüttich und Gregor Murnc erst mal ein Bierchen zum „locker machen“ zwitscherten. Übrigens: Knapp acht Stunden später saßen die Nummer vier und Nummer fünf des TTC Ober-Erlenbach wieder gemütlich zusammen und feierten im Kreise der Fans den Aufstieg in die Regionalliga. Und den hatten sie sich – wie auch die drei anderen hessischen Vereine – redlich verdient.
Resultate und Tabellen der Regionalliga-Relegation:
Herren
NSC Watzenborn-Steinberg – TTC Ober-Erlenbach 4:9
TV Oberstein – TTSV 08 DJK Bous 4:9
NSC Watzenborn-Steinberg – TV Oberstein 9:3
TTC Ober-Erlenbach – TTSV 08 DJK Bous 9:3
NSC Watzenborn-Steinberg – TTSV 08 DJK Bous 9:4
TTC Ober-Erlenbach – TV Oberstein 9:2
Damen
TTC Richelsdorf 1963 – TSV 1909 Langstadt 8:5
TTC Richelsdorf 1963 – TSG 1848 Heidesheim 8:0
TSV 1909 Langstadt – TSG 1848 Heidesheim 8:2
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April 2009 • Sonderberichte
Regionalliga, wir kommen
Acht Meister der Tischtennis-Oberliga kämpfen um den Aufstieg / Brisante Duelle Anfang Mai im BIZ West in Worms

Bild: Junge Ladies aus Rheinhessen auf dem Weg nach oben: die Damen-Mannschaft der TSG Heidesheim mit Rabea Sauer (Jg 93), Ann-Kathrin Ditschler (Jg 93), Amelie Mayer (Jg 92) und Maxi Eppelmann (Jg 92).
Ab in die Regionalliga Südwest. Darum geht’s ab Samstag, 11 Uhr in den Sporthallen des BIZ West in Worms für acht Meister aus den Tischtennis-Oberligen der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen. Vier Damenteams und vier Herrenmannschaften wollen den Sprung in die ab der kommenden Saison neue eingleisige dritte deutsche Liga schaffen. Tickets hat Rolf-Jürgen Feuckert, sportlicher Leiter des Südwestdeutschen Tischtennisverbandes (SWTTV), aber nur für jeweils zwei Damen- und Herrenteams mit in die Nibelungenstadt Worms gebracht.
Je eines davon wollen sich die Damen der TTF Frankenthal II aus der benachbarten Pfalz, die „einheimische“ blutjunge rheinhessische „Mädchen“-Truppe der TSG Heidesheim und die Herren vom TV Oberstein aus dem Rheinland schnappen. „Das wird allerdings nicht einfach“, vermutet Dr. Alexander Krießbach. Denn dem langjährigen Kapitän des Tischtennis-Regionalligisten TV Leiselheim, der als ausrichtender Verein der Relegationsspiele fungiert, ist bewusst: „Speziell die Meistermannschaften aus Hessen und dem Saarland sind nur ganz schwer zu knacken.“ Die regionalen Vertreter dürften demnach allenfalls Außenseiterchancen besitzen. Gespielt wird im Modus „Jeder gegen Jeden“. Egal aber, wer letztlich auf den begehrten Aufstiegsplätzen landet … Tolles Tischtennis wird in jedem Falle dieses Wochenende im BIZ West zu sehen sein.
Die Teams:
Damen
Herren
Die Spielzeiten:
Eintritt frei! (für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt)
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Januar 2009 • Sonderberichte
Patti sticht Schlager
Tischtennis-Europameister Patrick Baum schlägt zwei Ex-Weltmeister auf einen Streich / Halbfinaleinzug beim Energis-Cup
Er hat’s schon wieder getan! Einfach so – als wär’s das Normalste auf der Welt. Zum zweiten Mal binnen weniger Monate. Und gleich noch gegen den schwedischen Ex-Weltmeister Jörgen Persson ein zweites Sahnehäubchen oben drauf gesetzt. Patrick Baum, Tischtennisprofi aus Flörsheim-Dalsheim, entwickelt sich allmählich zum Schrecken von Ex-Weltmeister Werner Schlager. Der Österreicher, welcher sich 2003 die Krone der Tischtenniswelt aufs Haupt setzte, musste nach seiner Niederlage beim Pro-Tour-Turnier Austria Open innerhalb weniger Monate schon zum zweiten Mal Patrick Baum den Vortritt lassen.
„Da wird der Hund in der Pfanne verrückt“, konnte Patricks Vater und Privattrainer Arthur Baum seine überschäumende Freude über den Galaauftritt seines 21-jährigen Sohnemannes beim Turnier der Weltklasse in Saarbrücken, dem Energis-Cup 2009, kaum zurück halten. Wieso auch? Hatte doch der deutsche Nationalspieler gleich zum Start ins Jahr 2009 ein weiteres strahlendes Glanzlicht seiner von Höhepunkten nur so gespickten Karriere als Tischtennisprofi gesetzt.

Bild: So sieht ein Sieger aus: Tischtennisprofi Patrick „Patti“ Baum aus Flörsheim-Dalsheim.
„Zugabe, Zugabe!“, skandieren 3000 begeisterte Zuschauer in der proppenvollen Joachim-Deckarm Halle. Weltklassespieler wie Ma Long (China), Timo Boll (Deutschland), Dima Ovtcharov (Deutschland), Jan-Ove Waldner (Schweden), Jörgen Persson (Schweden), Mikael Appelgren (Schweden), Werner Schlager (Österreich) oder Zoran Primorac (Kroatien) – um nur einige zu nennen – waren zum Einladungsturnier nach Saarbrücken gekommen. Und mittendrin, statt nur dabei: Patrick „Patti“ Baum aus dem kleinen rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim.
„Ein geiles Gefühl“
Der Jugend-Weltmeister von 2005 erreichte nach phänomenalen Siegen über Werner Schlager und die schwedische Tischtennis-Legende Jörgen Persson, der bei Olympia 2008 in Peking als Halbfinalist und einziger Europäer überhaupt in die Phalanx der Chinesen einbrach, das Halbfinale. Und in diesem stand dem jungen Wormser kein Geringerer als der Weltranglisten-Dritte Ma Long (China) gegenüber. „Patrick hat die Zuschauer in Saarbrücken begeistert“, berichtet Arthur Baum stolz aus der Saarland-Metropole. „Das war Tischtennis von einer anderen Welt.“ Mit 11:9 im fünften Satz behielt der haushohe Favorit aus Asien letztlich die Nase knapp vorn. Die frenetischen Tischtennis-Fans konnten sich an dem Leckerbissen kaum satt sehen. Und Patti? Der strich – quasi als kleines Trostpflaster für die Niederlage – 3000 Euro Preisgeld ein. „Das aber“, betont der Linkshänder, „war eher Nebensache. Die ‚Zugabe!‘ schreienden Zuschauer – das war ein geiles Gefühl.“

Bild: 3000 Zuschauer in Saarbrücken fiebern mit: Patti hat den chinesischen Weltranglisten-Dritten Ma Long am Rande einer Niederlage.
Kommentar: Die Baumallee
Würde er doch nur einen Lederball mit dem Fuß ähnlich geschickt traktieren wie eine kleine Kugel aus Zelluloid mit einem Schläger in seiner linken Hand. Wie oft mag sich das wohl Patrick Baum in seiner nun bereits vierjährigen Karriere als Profisportler schon gedacht haben? Drei Minuten Einsatz als Einwechselspieler für die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft in einem Länderspiel gegen fünftklassische Luxemburger. Dabei einmal angeschossen werden – und irgendwie den Ball über die Torlinie bugsieren. Vermutlich hieße die Hauptstraße in der Wormser Vorortgemeinde Flörsheim-Dalsheim danach heute Baumallee. Vermutlich gäben sich Lokalpolitiker in der Baumallee 133 zwecks Erhöhung der eigenen Popularität die Klinke in die Hand. Doch Patrick Baum ist ein 21-jähriger Tischtennisprofi. Jugend-Weltmeister, Deutscher Nationalspieler, mehrfacher Deutscher Meister und Europameister mit dem Deutschen Nationalteam zwar, aber eben doch „nur“ Tischtennisspieler – und kein Fußballgott. Bedauerlich, dass dies hierzulande so ist, denn eigentlich könnte die Alzeyerstr. 133 in Flörsheim-Dalsheim ob der unzähligen nationalen und internationalen Erfolge von Patrick Baum postalisch auch durchaus unter der Adresse Baumallee 133 erreichbar sein.
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Januar 2009 • Sonderberichte
Die Baumveredelung
2008 – das (bislang) beste Jahr von Tischtennis-Nationalspieler Patrick Baum aus Flörsheim-Dalsheim
Könnte der Kontrast größer sein? Wohl kaum! Hier der vermutlich bekannteste deutsche Fernseh-Entertainer Stefan Raab bei der Arbeit. Hinter dem „TV Total“-Regiepult mit einer Unmenge an Schaltern sorgt der schlagfertige TV-Moderator in seiner typisch rotzfrechen Manier für beste Abend-Unterhaltung vor einem Millionen-Publikum. Und dort – links daneben – sitzen brav und schüchtern drei junge Sportsmänner auf dem „rasenden Sofa“ des Medienmoguls. „Manchmal täuscht der erste Eindruck aber auch etwas“, erinnert sich Patrick Baum sehr gerne an jenen unvergesslichen Mittwochabend im Oktober zurück.

Bild: TV-Experte trifft Zelluloid-Experten: Entertainer Stefan Raab inmitten der Tischtennis-Europameister Patrick Baum und Bastian Steger.
Die Tischtennis-Europameister Timo Boll, Bastian Steger und eben Patrick „Patti“ Baum hatte Stefan Raab in seine Show eingeladen. „Stefan ist ein echt sympathischer Typ“, schwärmt Patrick. Mit viel Herz kümmerte sich Raab um seine Gäste. Raab’s Regieassistentin zeigte den Sportlern vorher das riesige Gelände inklusive Studio in Köln-Mülheim. „Beeindruckend“, so Baum. Maske, schminken, Lampenfieber – Fernsehen live eben. „Die Säcke sollen aufhören zu trainieren“, raunte der Moderator rüber, als Patrick und Bastian beim „Warm-Up“ einige Bälle am Minitisch probten. Völlig entspannt ging’s nachher vor einem Millionen-Publikum zu. Raab schnappte sich den dreifachen Europameister Timo Boll als Doppelpartner. Logisch. Patti konterte mit starken Schlägen und lockeren Sprüchen. Ein gelungener Auftritt der erfolgreichen Tischtenniscracks. Keine Spur von Nervosität. Timo, Bastian und Patti schlugen sich nicht nur am Tischtennis-Tisch prächtig.
„2008 war mein Jahr“
Prächtig. Diese Überschrift darf Patrick Baum wohl auch guten Gewissens über sein Sportjahr 2008 setzen. „Nicht schlecht“, antwortet er in der ihm eigenen bescheidenen Art und Weise auf die Frage nach der Wertigkeit des Jahrgangs 2008. Dann überlegt der 21-Jährige kurz: „Na ja, 2008 war schon mein Jahr.“ Na also, jetzt ist es endlich raus. Wäre nicht schon der Sieg beim Deutschen TOP-12-Ranglistenturnier, der Deutsche Meistertitel im Herren-Doppel an der Seite von Nationalmannschafts-Kollege Dimitrij Ovtcharov oder die Deutsche Mannschafts-Vizemeisterschaft mit dem TTC Frickenhausen bemerkenswert genug gewesen? Gewiss! „Ich würde mal sagen, dass Patrick 2008 den Durchbruch bei den Herren erst so richtig geschafft hat“, sagt Vater Arthur Baum. Und damit trifft Pattis „Privat-Trainer“ den Nagel exakt auf den Kopf.

Bild: Kollektiver EM-Jubel: Vorne freut sich Patti – und von der Mannschaftsbank jubeln die Herren-Bundestrainer Dirk Schimmelpfennig und Richard Prause sowie die Mitspieler Jörg Roßkopf und Christian Süß zu.
Spätestens seit St. Petersburg ist Patrick Baum mittendrin statt nur dabei im Geschäft der ganz großen Tischtenniskönner. „Den Moment, als wir den EM-Titel holten, werde ich nie mehr in meinem Leben vergessen“, bekennt Patrick frei heraus. Emotionen pur. In einer Traube aus Menschenkörpern wälzten sich damals Spieler, Trainer und Betreuer voller Glücksgefühle auf dem Boden der Sporthalle in der russischen Großstadt. Im Einzel schaffte es Patrick danach bis ins Achtelfinale, wo er nur ganz knapp dem Belgier Jean-Michel Saive unterlag. „Womöglich mein größter Turniererfolg bis zu diesem Zeitpunkt“, resümiert Patrick Baum. Noch bedeutender als die Weltmeisterschaft der Junioren im Jahr 2005? Baum: „Weiß ich nicht genau. Das ist wirklich schwer einzuordnen.“

Bild: Der Tischtennis-Junioren-Weltmeister von 2005 gibt keinen Ball verloren.
Unschwer als ein weiteres Glanzstück im Mega-Jahr 2008 einzuordnen ist der 3. Platz beim Pro-Tour-Turnier Austrian Open. „Das ist ein Turnier etwa vergleichbar mit den ATP-Turnieren im Tennis“, erklärt der Flörsheim-Dalsheimer. Im Achtelfinale schlug Patrick dabei zunächst den Ungarn Zwickl mit 4:1-Sätzen. Es folgte ein 4:1-Erfolg über den Engländer Drinkhall. Damit aber nicht genug. Vor heimischem Publikum bezwang Patti Österreichs Ex-Weltmeister Werner Schlager 4:3. „Sein größter Sieg“, wie Patricks Vater Arthur rückblickend befindet. O.k., im Halbfinale war Timo Boll dann eine Nummer zu groß. Dennoch: Einen Halbfinaleinzug bei einem Pro-Tour-Turnier haben bislang – außer Timo Boll – noch nicht allzu viele deutsche Tischtennisprofis geschafft.

Bild: Steht nicht nur an der Tischtennisplatte für Deutschland ein: Patti in seiner Bundeswehr-Uniform bei der Ehrung (3. Platz) zum Juniorsportler Deutschlands im Jahr 2006.
Geschafft hat Patrick Baum im Jahr 2008 auch bei der Bundeswehr einiges. Absolvierte der 21-jährige Berufssoldat doch jüngst höchst erfolgreich einen Lehrgang zum Unteroffizier. Punkt sieben Uhr morgens ruft Oberleutnant Wiesemann in der Kaserne in Sonthofen, wo Patrick stationiert ist, zum Appell. Viel Theorie, Umgang mit Waffen und vor allem selbständige Arbeit stehen dann auf dem Programm. Aber diesbezüglich braucht sich sein Vorgesetzter beim Bund ohnehin kaum Sorgen zu machen. Denn wenn man bei Patrick Baum einer Sache sicher sein kann, dann der, dass der junge Mann aus Rheinhessen stets an sich arbeiten wird. Und deshalb wird sein Auftritt bei Stefan Raab wohl sicher nicht das letzte Wort des Tischtennisprofis im Fernsehen sein.
Eckdaten des Erfolgsjahres 2008:
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Oktober 2008 • Sonderberichte
Wenn der Baum zur deutschen Eiche wird
Patrick Baum aus Flörsheim-Dalsheim ist mit Deutschland Tischtennis-Europameister 2008 / 3:2-Erfolg im EM-Finale über Weißrussland

Bild: Trägt den Deutschland-Adler mit großem Stolz auf der Brust: Patrick Baum, 21, aus Flörsheim-Dalsheim ist Tischtennis-Europameister 2008 mit Deutschland.
TSV Flörsheim-Dalsheim, TV Dienheim, 1. FSV Mainz 05, TTC Zugbrücke Grenzau, TTV Gönnern, TTC Frickenhausen, Deutschland: So lauten die Stationen von Tischtennis-Profi Patrick Baum aus Flörsheim-Dalsheim. Jugend-Weltmeister wurde der jetzt 21-jährige junge Mann 2005. Eine Leistung, die noch kein deutscher Tischtennisspieler vor ihm schaffte – und bei der Dominanz der Asiaten und speziell Chinesen in der Tischtenniswelt auch so schnell kein Deutscher mehr schaffen dürfte. Unzählige Deutsche Meisterschaften als Schüler und Jugendlicher errang das Ausnahmetalent. Deutscher Mannschafts-Meister mit dem TTC Frickenhausen 2007 ist er dazu.
Dienstagabend setzte Patrick Baum seiner ohnehin von Erfolgen geprägten Sportlerkarriere im russischen St. Petersburg eine weitere Krone auf. Gemeinsam mit Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov, Christian Süß und Bastian Steger – also jenem Quartett, das Ende August in Peking Olympia-Silber hinter China errang – holte „Patti“ (sein Spitzname) den Titel mit der Deutschen Nationalmannschaft bei den Europameisterschaften 2008. 3:2 siegten die ungeschlagenen Deutschen Herren im Finale über Weißrussland mit dem Weltklassemann Vladimir Samsonov.
Spätestens seit der EM 2008 ist klar: Schon lange ist Deutschland mehr als „nur“ ein Team rund um den ehemaligen Weltranglistenersten Timo Boll. Die junge Garde mit Dimitrij Ovtcharov und eben dem derzeit auf Position 125 der Weltrangliste geführten Patrick Baum hat aufgeschlossen zur internationalen Spitze. „Wir haben fünf gute Spieler in St. Petersburg am Start“, wird Bundestrainer Richard Prause dieser Tage zitiert. Das ist Deutschlands Erfolgsrezept. „Patti“ ist einer davon.
„Wir sind einfach nur stolz auf Patrick Baum“
Ende September in der Sporthalle am Leiselheimer Trappenberg: Drei Stunden lang hämmern sich Patrick und sein Bruder Björn an einem Mittwochmorgen Tischtennisbälle um die Ohren – eine von zwei Trainingseinheiten an diesem Tag. „Ich will fit sein zur EM“, sagt Patrick. „Mein kleiner Bruder packt das schon“, ist Björn überzeugt. Der ehemalige Tischtennis-Jugend-Weltmeister ist Mitglied der regionalen Tischtennis-Hochburg TV Leiselheim. Sein fünf Lenze älterer Bruder Björn war vier Jahre lang die Nummer eins des TVL. Regelmäßig trainieren die Tischtennisasse am Trappenberg. Den Schlüssel für die Sporthalle hatte Leiselheims 1. Vorsitzender Jürgen Falter 2005 persönlich im Elternhaus der Baums in Flörsheim-Dalsheim vorbei gebracht. „Wir sind einfach nur stolz auf Patrick Baum“, sagte er damals, als „Patti“ in Linz / Österreich vor drei Jahren Jugend-Weltmeister wurde. Heute gilt das mehr denn je.
Ein sinnbildliches Ereignis prägt sich dem Beobachter einer Szene – er schreibt diese Zeilen – beim Verlassen des Sportgeländes am Leiselheimer Trappenberg ein. Während Björn in seiner Sporttasche nach dem Schlüssel für das Eingangstor kramt, lehnt sich Patrick lässig an die riesige deutsche „Turnereiche“, welche Anfang des letzten Jahrhunderts dort gepflanzt wurde. Ja, der Eindruck verdichtet sich: Aus dem „kleinen“ Baum ist inzwischen eine wahrhaft majestätische deutsche Eiche gewachsen.
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Oktober 2008 • Sonderberichte
Der Mann, der fast alle Schläge kann
Das aus Hofheim stammende Talent Stephan Kaiser setzt auch bei Regionalligist TV Leiselheim sportliche Ausrufezeichen.
(Bericht von Jochen Stelkens / Südhessen Morgen)

Bild: Der Hofheimer Stephan Kaiser sorgt in Leiselheim für Furore.
LEISELHEIM. Es ist Sonntagnachmittag, kurz vor 14 Uhr. Regionalliga-Heimspiel des TV Leiselheim gegen den TVB Nassau. Teamchef Alexander Krießbach tut das, was er immer unmittelbar vor einem Match seiner Mannschaft auf dem Trappenberg zu tun pflegt. Er spricht mit Sponsoren, begrüßt Zuschauer, fachsimpelt mit Presse-Vertretern.
Doch als er sich von der Mannschaftsbank zum Imbissstand aufmacht, verweilt er auf halbem Wege hinter einer Box. Seine Mimik verrät: Er ist begeistert. Es sind die Künste des erst 18-jährigen Stephan Kaiser, die ihn faszinieren. „Unglaublich, wie Stephan mit nur geringem Bewegungsaufwand so viel Power in seine Schläge kriegt“, schwärmt Krießbach, der dafür bekannt ist, Tischtennis mehr zu arbeiten als zu spielen. Als Tischtennis-Spätstarter bekam der heute 40-Jährige in seiner langen Karriere (unter anderem beim Traditionsklub TTC Heusenstamm und der TG Nieder-Roden) nichts geschenkt. Mit eiserner Trainingsdisziplin und großem Willen machte Krießbach die fehlenden Lehrjahre aber wett. So schaffte er es immerhin bis in die Zweite Bundesliga.
Genau da will auch sein um 22 Jahre jüngerer neuer Mitstreiter hin. „Zweite Liga spielen und bei den Deutschen Meisterschaften der Herren teilnehmen“, lauten die sportlichen Ziele des jungen Mannes, der im zarten Alter von acht Jahren beim TV Hofheim begann, dem schnellen Spiel mit der Zelluloidkugel zu frönen. Erfolge sollten sich ziemlich bald einstellen. Als Solist erreichte Kaiser etliche Spitzenplatzierungen bei den Südwestdeutschen Meisterschaften und feierte im Team insgesamt drei Deutschland-Pokalsiege. Aktuell ist der Schüler an der beruflichen Schule Lampertheim Südwestdeutscher Jugend-Vizemeister im Einzel und Mixed.
Wenn man ihm zuschaut, weiß man warum. Denn Kaiser beherrscht schon fast alle Schläge, die man als moderner Tischtennisspieler benötigt. Gegentopspin beidseitig, dazu Ballonabwehr sowie Vor- und Rückhandtopspin am Tisch. Doch er weiß auch, dass die Konkurrenz nicht schläft. „Ich muss mental noch besser werden und vor allem viel aggressiver spielen“, beschreibt der Neu-Leiselheimer die „Baustellen“, um die er sich viermal pro Woche in harten Trainingseinheiten kümmert.
Kaisers Satz über den Rhein, weg vom als Talentschmiede bekannten Hessischen Verband hinein ins beschauliche Rheinhessen, wirkt da auf den ersten Blick wie ein Widerspruch. Doch nur auf den ersten Blick. „Für meine weitere Entwicklung verbinde ich mit dem professionellen Umfeld in Leiselheim die Hoffnung, noch stärker zu werden und den Sprung in die Zweite Liga zu schaffen“, sagt das Talent. Sportlich gesehen lief es für den Teenager bisher mehr als gut. Nach acht Partien im mittleren Paarkreuz steht er mit einer stolzen 6:2-Bilanz da. Dennoch bleibt der Nachwuchsmann auf dem Teppich, zumal er wegen eines enttäuschenden fünften Rangs bei der RTTV-Rangliste kürzlich einen Dämpfer zu verkraften hatte. „Schade, dass ich nicht 7:1 stehe“, meint Kaiser, dessen Vorbilder Fußballstar Cristiano Ronaldo und Tennisdiva Maria Sharapova sind, selbstkritisch. Aber eine Kampfansage an das vordere Paarkreuz lässt er sich trotzdem entlocken. „Mein Ziel ist in der Mitte positiv zu spielen und nach vorne zu kommen.“
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September 2008 • Sonderberichte
Stippich war gestern. Heute ist Graf.
Leiselheimer Tischtennisass Raphael Graf gewinnt rheinhessisches Ranglistenturnier 2008 in überlegener Manier

Bild: Bester Tischtennisspieler Rheinhessens: der 19-jährige Raphael Graf vom TV Leiselheim.
Souverän. Anders kann man es nicht beschreiben. 14 Spiele, 14 Siege. Kein einziges Mal auch nur halbwegs in der Nähe einer Niederlage. Das Ranglistenturnier der 24 besten Tischtennisspieler Rheinhessens glich für Raphael Graf aus Mörstadt eher einem erholsamen Spätsommer-Spaziergang als einer großen sportlichen Herausforderung über zwei anstrengende Tage mit ungefähr zwölf Stunden Hochgeschwindigkeits-Tischtennis ohne längere Pausen. „Ich war ziemlich locker drauf“, spielte der sympathische Teenager des TV Leiselheim seine einsame Klasseleistung gegen die Elite der rheinhessischen Zelluloidjäger – ganz wie es seiner angenehm bescheidenen Wesensart entspricht – herunter.
„Locker“ ist die passende Beschreibung dafür, wie sich der 19-jährige Regionalligacrack des TVL die Konkurrenz vom Leib hielt. Altmeister Volker Stippich vom Oberligisten TSV Wackernheim beispielsweise. Der ehemalige Bundesligaspieler und Titelverteidiger war bei der 1:4-Niederlage gegen den jugendlichen Herausforderer absolut chancenlos. Apropos Jugend: Die trumpfte beim zweitägigen Marathon-Turnier in der Petersberghalle des TSV Gau-Odernheim prächtig auf. Das 14-jährige Supertalent Jonas Christmann schnappte sich unangefochten bei nur einer einzigen Niederlage gegen Raphael Graf („Jonas hatte ich so stark nicht unbedingt erwartet“) den zweiten Platz. Auf Rang drei landete Christian Ditschler (21, TSV Wackernheim). Dahinter reihte sich der entzauberte Stippich ein.
Weit unter seinen Möglichkeiten blieb Leiselheims Regionalliga-Neuzugang Stephan Kaiser. „Ich habe mich vorher selbst zu sehr unter Druck gesetzt, wollte unbedingt ganz vorne landen“, räumte der 18-jährige Supertechniker nachher offen ein. Ob dieser eigenen hohen Zielvorgabe verkrampfte der junge Mann mit den knallharten Gewinnschlägen auf Vorhand wie Rückhand. Vier Niederlagen musste der Hofheimer quittieren, was letztlich nur zum enttäuschenden fünften Platz reichte. Egal. Eines jedenfalls zeigte das rheinhessische Ranglistenturnier deutlich: Die Wachablösung im Herren-Tischtennis des RTTV ist vollzogen. Jungen Talenten wie Raphael Graf, Jonas Christmann und Stephan Kaiser gehört die Zukunft.
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August 2008 • Sonderberichte
Toller Tag am Trappenberg
Sommerfest des TV Leiselheim und SSC Trappenberg begeistert Jung und Alt

Bild: Enormer Andrang beim Sommerfest des TVL und SSC Trappenberg zur Leiselheimer Kerb.
„Das kann sich echt sehen lassen“, strahlte Frank Schembs mit dem herrlichen Sommerwetter um die Wette. Der 1. Vorsitzende des Ski- und Snowboard-Clubs Trappenberg und Turn-Abteilungsleiter des TV Leiselheim war glücklich. Das erstmalig zur Leiselheimer Kerb ausgerichtete Sommerfest des TVL und SSC Trappenberg schlug voll ein. Groß die Begeisterung bei Jung und Alt ob des fantastischen Angebots am Trappenberg. Oder wie formulierte es Markus Kronauer, Tischtennis-Abteilungsleiter des TVL: „Petrus muss ein Leiselheimer sein. Die Organisation des Festes passte von A bis Z.“

Bild: Toben ohne Ende: Leiselheims Nachwuchs testet die Bungee-Run-Anlage auf Herz und Nieren.
In der Tat. Cheforganisator Frank Schembs hatte alle Register gezogen – und dazu mehr als 30 Helfer mobilisiert. Der wohlverdiente Lohn: ein toller Samstag am Trappenberg. Nicht eine einzige Minute Langeweile kam auf. An den beiden Großtrampolinen mussten Betreuer Stefan Schäfer und dessen Helfer Überstunden schieben. In der Bungee-Run-Anlage und der Hüpfburg tobten die Kinder ohne Unterlass. Zahlreiche Wintersport-Freunde informierten sich am Stand des SSC Trappenberg über das Angebot des beliebten Wormser Ski- und Snowboard-Clubs. Und der Tischtennis-Roboter „Pong Master“ spuckte pausenlos Zelluloidkugeln aus. „Eine ausgezeichnete Ergänzung der Leiselheimer Kerwe – speziell für Familien mit Kindern“, lobte denn auch Leiselheims Ortsvorsteher Helmut Müller.

Bild: Kleiner Ball – großer Effekt: die Tischtenniscracks des TVL begeisterten das Publikum.
Mehr als „nur“ Ergänzung zum unbeschwerten Familientag am Trappenberg waren in jedem Fall zwei Vorführungen auf dem Vorplatz der Leiselheimer Sporthalle. Zunächst zeigten die Tischtennisasse des TVL ihr Können im Umgang mit den schnellen kleinen Spielgeräten. Als wäre dies nicht schwungvoll genug, setzte die „Feuershow vom Feuerplaneten“ dem Sommerfest zu später Stunde ein wahrhaft „heißes“ Finale. Eine hübsche Dame und drei junge Männer präsentierten akrobatische und dabei zugleich spektakuläre Einlagen der Spitzenklasse rund um das Element „Feuer“. Die Show kam glänzend an beim Publikum auf dem proppenvollen Platz. „Der passende Abschluss eines klasse Tages“, bilanzierte Frank Schembs zufrieden. Im gleichen Atemzuge versprach er: „2009 werden wir noch einen drauf‘ setzen.“ Heute nur schwerlich vorstellbar – aber schauen wir mal…

Bild: Die TVL-Betreuer an den Großtrampolinen schieben Überstunden.
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Mai 2008 • Sonderberichte
Tatort Trappenberg
Tischtennis-Talent Tobias Fischer aus Pfeddersheim sprüht vor Tatendrang / Wechsel ins Jugendteam des TV Leiselheim

Bild: Pfiffiges Kerlchen: Tobias Fischer, 12, hat sich für seine Karriere als Tischtennisspieler des TV Leiselheim viel vorgenommen.
Tribüne Turnhalle Trappenberg, 1. Reihe vorne rechts: Papa Thomas Fischer und sein zwölfjähriger Sohn Tobias fiebern bei den Tischtennisspielen des TV Leiselheim in der Saison 2007/2008 mit. Fast immer, wenn die Wormser Tischtennis-Hochburg zum schnellen Tanz mit der Zelluloidkugel geladen hat, sind beide vor Ort. Kein Zweitliga- oder Oberliga-Spiel des TVL würden die Fischers verpassen wollen. „Die spielen ja alle so unglaublich gut“, sagt der kleine Tobias bewundernd. Und: „Das will ich auch einmal.“
Tobias Fischer aus Pfeddersheim spielt Tischtennis – seit Februar 2005. Zunächst drei Jahre lang im Heimatort bei der TSG Pfeddersheim. Ab dieser Saison schwingt er seinen Schläger ein paar Meter weiter in östlicher Richtung beim TV Leiselheim. „Ein logischer Schritt“, meint Leiselheims Trainer Christian „Kaufi“ Kaufhold. Denn: „Tobias hat sehr gute Anlagen, um es im Tischtennis weit zu bringen. Und das kann er am besten bei uns in Leiselheim verwirklichen.“
Einen detaillierten Plan für die nächsten Jahre hat der Sechstklässler des Gauß-Gymnasiums Worms, der Mathe, Englisch und Sport als seine Lieblingsfächer nennt, auch schon parat. „Erst einmal mit der Jugend-Mannschaft des TVL den Sprung in die Verbandsjugend schaffen, dann Rheinhessen-Meister und später Südwest-Meister werden“, sagt Tobias („Ach ja, in der ersten Herrenmannschaft des TVL würde ich langfristig auch gerne dabei sein“) vor Tatendrang fast explodierend. Aufgepasst also in Leiselheim: Tobias kommt.
Zuzutrauen wäre das dem talentierten Pfeddersheimer Buben jedenfalls. „Wenn er im Training noch etwas ‚verrückter und bissiger‘ wird“, wirft Coach Kaufhold ein. „Zu brav“ ist Tobias laut Kaufhold noch. Technisch sei beim 12-Jährigen, der den sportlichen Vorbildern eines Timo Boll oder Patrick Baum nacheifert, schon viel vorhanden. Kaufhold: „Vorhand-Topspin und Rückhand-Block sind gut, Aufschlag und Rückschlag (bislang) nicht.“
Es bleibt also durchaus noch etwas Arbeit für Leiselheims Trainer, um aus dem 145 Zentimeter großen Energiebündel einen kompletten Tischtennisspieler zu machen. Der erste Schritt aber ist mit dem Wechsel nach Leiselheim getan. „Tobias hat zunächst bei mir im Training gelernt, seine Schuhe zu binden“, grinst „Kaufi“. Zuvor war er dafür immer zu bequem. Alles andere wird folgen. Davon ist nicht allein Christian Kaufhold überzeugt.
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Mai 2008 • Sonderberichte
Neues von der Zelluloid-Wechselbörse
Wormser Tischtennis-Hochburg TV Leiselheim begrüßt drei weitere spielstarke Neuzugänge für die Saison 2008/2009

Bild: Stand schon lange beim TV Leiselheim auf der „Wunschliste“: Volker Ofer vom TSV Mutterstadt trainiert bereits seit zwei Jahren am Trappenberg. Nächste Saison kämpft er dort um Oberliga-Punkte.
Das kann sich sehen lassen. Nach den bereits vermeldeten spektakulären Verpflichtungen von Jonathan Crawford (England) und Stephan Kaiser (TV Hofheim) erhält der TV Leiselheim erneut ordentlich Zuwachs. Drei weitere spielstarke Zelluloidcracks aus der näheren Umgebung schlüpfen in der nächsten Saison ins gelbe Leibchen des TVL.
Konkret: Dennis Prasse vom Oberligisten TSV Gau-Odernheim, Volker Ofer vom Pfalzligisten TSV Mutterstadt und Antonio Delle Rose vom Verbandsligisten TTC Worms wechseln zur Wormser Tischtennis-Hochburg. „Alle drei sind nicht nur starke Spieler, sondern auch noch eine immense Bereicherung für unser Trainingsangebot“, freut sich Leiselheims Spielertrainer Christian Kaufhold riesig über die Verstärkungen. Gelten doch sowohl das 16-jährige Talent Dennis Prasse als auch die erfahrenen Volker Ofer und Antonio Delle Rose in Tischtennis-Fachkreisen als extrem fleißig.
Während Prasse und Ofer im Oberliga-Team des TVL zum Einsatz kommen, soll Delle Rose der Zweitverbandsliga-Truppe Rückhalt geben. Christian Kaufhold („Speziell Volker und Antonio sind echte Kämpfertypen“) ist aber nicht allein von den spielerischen Qualitäten der Neuzugänge angetan. „Die drei Jungs werden Feuer in unsere zweite und dritte Herrenmannschaft tragen. Ich freu’ mich richtig auf die Saison 2008/2009.“
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Januar 2008 • Sonderberichte
Der Forrest Gump des TV Leiselheim
Tischtennisass Raphael Graf ist Optimist aus Überzeugung

Bild: 18-jähriger Zweitliga-Tischtennisspieler des TV Leiselheim: Raphael Graf aus Mörstadt
An Neujahr lief der mit sechs Oscars ausgezeichnete Streifen im Fernsehen. Von unerschütterlicher Lebensfreude beseelt meistert der gutmütige Simpel Forrest Gump die Höhen und Tiefen des Daseins. „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie genau, was man kriegt“, bekommt Forrest von seiner Mutter eine tiefgründige Lebensweisheit mit auf den Weg. Raphael Graf ist ein ähnlicher Typ Mensch wie Forrest Gump. O.K., der Tischtennisspieler des TV Leiselheim ist ganz gewiss kein Simpel, denn 2008 will der 18-Jährige sein Abitur am Wormser Gauß-Gymnasium machen. „Das klappt bestimmt“, sagt Raphael mit sicherer Stimme. Vieles fliegt dem sympathischen Teenager – so scheint es jedenfalls auf den ersten Blick – einfach zu.
Dabei kann Raphael für den Erfolg auch richtig arbeiten. „Über die Weihnachts-Feiertage hab’ ich kräftig gebüffelt“, lässt er wissen. Das Abitur ist ihm wichtig. Eines aber ist dem jungen Mörstädter noch wichtiger: eine lebensbejahende Einstellung. Raphael Graf ist genau wie Forrest Gump Optimist aus Überzeugung. Für Raphael Graf („Man muss stets mit positiver Einstellung durchs Leben gehen“) ist ein Glas Wasser niemals halb leer, sondern immer halb voll. Nicht zuletzt deshalb glückte dem lebenslustigen Linkshänder bislang auch nahezu alles, was er angepackt hat.
Nehmen wir als Beispiel seinen Lieblingssport Tischtennis. 2004 entdeckte man beim TV Leiselheim das Talent. Er spielte damals für den TV Mörstadt. Obwohl der Gymnasiast erst spät mit Tischtennis begann, entwickelte er sich sehr rasch. 2005 gab das Förderprogramm der Sportförderung Worms e.V. unter der Regie von Leiselheims Vereinstrainer Christian Kaufhold ihm und dem drei Jahre jüngeren Janis Oberle (ebenfalls aus Mörstadt) den nötigen Kick. Heute spielt Raphael in der 2. Bundesliga Süd Tischtennis – beim TV Leiselheim. Der Aufstieg des rheinhessischen Eliteklubs in die stärkste zweite Liga Europas ist auch eng mit seinem Namen verbunden.
Doch trotz seiner großen sportlichen Erfolge wie beispielsweise einem ausgezeichneten dritten Platz bei den Südwestdeutschen Meisterschaften der Herren 2007 blieb Raphael Graf immer mit beiden Beinen auf dem Boden. „Das habe ich ganz bestimmt nicht alles alleine geschafft“, weiß er. „Kaufi (Anmerkung Redaktion: Christian Kaufhold) hat großen Anteil daran.“ Auch die Eltern standen immer hinter ihm. „Die sind mächtig stolz auf mich, wenn ich jetzt in der 2. Bundesliga auflaufe“, merkt Raphael an. Die bildhübsche Freundin ebenfalls. Können sie auch alle, denn Raphael Graf hat mit 18 Jahren bereits vieles im Leben erreicht.
Ach ja – zu den Aussichten seines Leiselheimer Zweitligateams (derzeit Schlusslicht der Tabelle) für die Rückrunde der Saison 2007/2008 befragt, antwortet der Tischtennis-Jungstar in typisch lockerer Manier: „Wir werden es 2008 besser machen. Gegen Hilpoltstein und Steinheim gewinnen wir unsere beiden Heimspiele. Und dann bleiben wir drin in der 2. Liga – logo.“ Und wer würde dem netten Mörstädter da widersprechen wollen?![]()
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Januar 2008 • Sonderberichte
Influenza Zelluloidis
Leiselheimer Tischtennis-Nachwuchs hat Tischtennisvirus im Blut

Bild: Für ihren Trainer Christian Kaufhold steht die Leiselheimer Tischtennis-Trainingsgruppe (von links: Dennis Fütterer, Rebecca Matthes und Janis Oberle) auch schon mal Kopf.
„Wenn Tischtennis einfach wäre, würde es Fußball heißen“, steht auf dem dunklen T-Shirt in fetten weißen Lettern geschrieben. Drinnen steckt Sascha Giehl, 14-jähriges Nachwuchsass des TV 1863 Leiselheim. Das T-Shirt ist schweißgetränkt. Seit fast fünf Stunden geht der aufgeweckte Schüler seiner Lieblingsbeschäftigung nach. Er spielt Tischtennis. „Das ist der schönste Sport der Welt“, sagt er mit leuchtenden Augen. Tischtennisprofi will das Energiebündel später einmal werden. Beim TVL hat es Sascha zusammen mit dem Mörstädter Jungspund Janis Oberle (15) bereits bis in die Oberliga der Herren geschafft. Auch ein Einsatz in der 2. Bundesliga steht schon zu Buche. Die sportliche Karriere macht steile Fortschritte. Gleich ist die Trainingseinheit vorbei, aber schon am nächsten Morgen geht’s weiter …
Es ist 10 Uhr zwischen den Jahren: Weihnachts-Lehrgang am Leiselheimer Trappenberg. Sechs Tischtennistische hat Christian Kaufhold in der urgemütlichen Sporthalle aufgebaut. Hinten in der Ecke spuckt ein Roboter Zelluloidkugeln aus. Zwölf Jungs und ein Mädchen sprühen vor Tatendrang. Bevor aber Tischtennisbälle durch die Halle sausen, ist Konditionstraining angesagt. „Ohne Kondition keine Konzentration“, doziert Kaufhold. Erst Medizinbälle, dann Sprungseile, dann Zirkeltraining – eine ganze Stunde lang.
An jedem Tisch liegt ein vom Coach bis ins kleinste Detail abgestimmter Übungsplan. Endlich! Der Tischtennisschläger kommt ins Spiel. Christian Kaufhold ist jetzt voll in seinem Element. Er dirigiert. Er korrigiert. Er lobt. Er merzt kleinere technische Mängel aus. Nicht wie ein General. Eher wie ein guter Freund. „Kaufi ist ein echter Kumpeltyp“, schwärmt Sascha. Mittags kocht der schier unermüdliche Erzieher für seine Schüler. Tagesmenü: Spaghetti Bolognese oder wahlweise Ravioli. „Kohlenhydrate“, schmunzelt Kaufhold. „Damit die Akkus aufgeladen werden.“
Dass sich die Gruppe nach der Mittagspause wieder tatenhungrig an den Tischen versammelt, darum braucht sich Leiselheims Cheftrainer allerdings nicht zu sorgen. Denn eines wird jedem Beobachter der Szenerie bereits nach wenigen Minuten klar: Der Leiselheimer Tischtennis-Nachwuchs um Christian Kaufhold hat ganz offensichtlich das Tischtennisvirus im Blut. Sie sind von der „Influenza Zelluloidis“ befallen. Und die kann man ihnen nur schwerlich wieder austreiben.
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